Ein Ruck geht durch die Buchwelt?

Sonntag, Januar 17, 2016 Tinka Beere 8 Comments

Das Jahr 2016 ist noch jung, aber schon jetzt beginnt es zu brodeln.

Da haben wir auf der einen Seite Verlage, die in einem Monat mehr Bücher veröffentlichen, als ich sie lesen könnte. Deswegen wird sortiert, welche Bücher ich interessant finde. Das sind schon weniger. Immer noch mehr Bücher, als ich in einem Monat lesen könnte, und manchmal auch weniger. Sie vergeben Rezensionsexemplare - und als Blogger willst du sie auch nicht lange warten lassen. Du hast ein Pflichtbewusstsein ihnen gegenüber. Und dafür werden Blogger dann verurteilt: Könnte ja sein, dass es nicht ihre eigene Meinung ist.

Da haben wir Selfpublisher, die täglich scheinbar aus dem Boden sprießen. Immer mehr Bücher werden jeden Tag veröffentlicht. Wer soll denn das alles lesen? Trotzdem gibt es Autoren, die ihre Chancen nutzen. Das ist auch richtig so, schließlich wollen sie irgendwann einmal ihr Hobby zum Beruf machen, um sich einen Traum zu erfüllen, um ihr "Hobby" vor anderen Leuten zu rechtfertigen, um ernst genommen zu werden, um glücklich zu sein.

Da haben wir Buchblogger und Booktuber, die immer die neusten Bücher besprechen. Durch Verlage und Autoren inspiriert, genau ihre Bücher vorzustellen - vielleicht ist es die eigene Meinung, vielleicht nicht. Sie bekommen Rezensionsexemplare oder sind selbst auf der Jagd nach Schnäppchen. Es ist (größtenteils) ein Hobby für sie, dass gern genutzt wird: von Verlagen und Autoren und auch von Lesern oder Zuschauern. Diese sind einfach interessiert an der Meinung der Blogger zu Büchern.


Scheinbar wird es immer mehr, immer neuer. Immer höher wird der SuB.

Und da gibt es die andere Seite. Blogger, die dazu aufrufen, ältere Bücher zu lesen. Bücher zu lesen, die man schon lange im Regal stehen hat. Menschen, die auch alte Bücher nicht vergessen. Eben weil auch sie es wert sind, gelesen zu werden.

Blogger und Booktuber, die versuchen ihren SuB abzubauen, weniger Bücher ungelesen im Regal stehen zu haben. Jeder Buchliebhaber kennt diesen wehleidigen Schmerz in der Brust, immer mehr Geschichten konsumieren zu wollen: das Regal zu Hause so voll, die Buchhandlungen so verlockend bestückt und die Bibliotheken so reizvoll ausgestattet.


Und irgendwann kollabiert das Ganze.

Ein Auslöser dieses Video:


Es ist völlig normal, dass Menschen, die sich in der Öffentlichkeit präsentieren, angeprangert werden - oder auch nicht. Es ist mutig von ihnen - finde ich -, wenn sie ihre Ziele öffentlich bekannt geben. Doch dann beleidigt zu werden, wenn sie es nicht erreichen? Es ist doch scheißegal, ob es ums Abnehmen oder einen hohen SuB geht.

Wenn man ein Vorhaben hat, dann reicht es nicht, sich und anderen das zu sagen. Es ist ein Anfang, aber es muss erst einmal klick machen. Das geht bei einigen schneller, bei anderen langsamer. Aber es ist eine höchst private Angelegenheit, die dennoch gern mit anderen geteilt wird, um sich und andere zu motivieren.

Sicher hat man eine gewisse Verantwortung, wenn man etwas ins Internet stellt, aber man kann doch nicht für alle Dinge, die daraus resultieren, für andere, für Menschen, die man nicht einmal kennt, die Verantwortung für deren Verhalten übernehmen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen liegt da die Verantwortung meiner Meinung nach ganz klar bei den Eltern.


Ich gebe zu: Seit ich angefangen habe, über Bücher zu bloggen, gab es Monate, in denen auch ich im Kaufrausch war. Mir hat es Spaß gemacht, in Buchläden zu stöbern. Auch mein SuB ist gewachsen ...

Aber auch ich habe angefangen, mein Handeln zu reflektieren. Darüber nachzudenken, was eigentlich passiert ist. Da hilft es doch nichts, wenn andere mit dem Finger auf mich zeigen und sagen "Siehst du! Du hast dein Leben nicht im Griff!"


Wenn die Menschen sich endlich mal um sich selbst kümmern würden, dann wären viele Probleme vielleicht gar nicht mehr da.

Immer sind die anderen Schuld, wenn man etwas nicht auf die Reihe krieg - und da ist es egal, ob es um einen grünen Lebensstil, Bücher kaufen oder abnehmen geht.

Den Spruch mit der eigenen Nase sollte jeder kennen.

Werdet euch darüber bewusst, dass Verlage auf Blogger angewiesen sind, die die neusten, noch nicht einmal erschienen Bücher lesen und dann rezensieren. Werdet euch darüber bewusst, dass Leser die neusten Meinungen zu den neusten Neuerscheinungen haben wollen, damit sie wissen, ob sie sich das Buch kaufen wollen oder nicht.

Viele Blogger kapitulieren davor mittlerweile. Sie wollen sich diesem Stress nicht mehr aussetzen, denn für die meisten ist es auch einfach nur das: ein Hobby.


Und so lange es Wühltische mit verstümmelten, reduzierten Büchern gibt, weil Verlage einen Überschuss produzieren und die Bücher wegen der Buchpreisbindung (dennoch: Buchpreisbindung ist gut!!) anders nicht loswerden, wird es Bibliophile dort hinziehen und sie werden die Bücher kaufen, denn sie wissen: Alles was dort übrig bleibt, wird geschreddert.

Oh, macht jetzt vielleicht der eine oder andere. Umwelttechnisch ist das gar nicht cool. Da lobe ich mir doch das "Book on Demand"-Verfahren. Ein Buch wird bestellt, ein Buch wird gedruckt.

Ja, das war dann wohl mein Wort zum Sonntag. Lasst die Leute leben und lebt euer eigenes Leben!

Kommentare:

  1. Danke.
    Lass mich dir erzählen, dass ich mit dem Buchbloggen unter anderem angefangen habe, weil ich von Verlagen und bei Leserunden Freiexemplare bekommen habe, zwei Jahre, bevor ich einen Buchblog hatte.
    Irgendwann... fühlte ich mich mies deswegen. Ja, ich rezensierte die Bücher auf Amazon, Was liest du?, Lovelybooks und teilweise auf Goodreads + in diversen Foren.
    Aber ich hatte keinen Blog.
    Ich gab dem Autor eine Rezi weniger zurück, als "die anderen". Ich hatte schlechtes Gewissen.
    (Natürlich ist das nicht der einzige Grund, es gab auch positivere, aber das schwang immer im Hinterkopf mit. Dass ich jemanden prelle, wenn ich Bücher kriege, obwohl ich keinen Blog habe)
    Seit ich blogge, kriege ich aber noch mehr Rezi-Exemplare, die ich irgendwann auch lesen und bewerten muss, weil die Autoren es wert sind. Nebenbei noch mein eigenes Leben leben. Bin ja keine Lesemaschine ^^.
    Ich reflektiere sehr viel über meinen Umgang mit Büchern. Über dieses "größer, schneller, mehr". Darum rezensiere ich auf dem Blog höchstens zwei Bücher pro Woche, meistens eigentlich eher nur eins. Darum will ich ab diesem Jahr immer mindestens ein selbstgekauftes Buch rezensieren, bevor die nächste Rezi kommt, für die ich ein Rezensionsexemplar bekommen habe.
    Und auch ich kann nicht widerstehen, wenn bei uns an der Uni Bücherflohmarkt ist und ich einige Schätze davor bewahren kann, weggeworfen zu werden. Bücher sind Freunde

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Das ist ja interessant. Soweit ich weiß, muss man bei vielen Verlagen seinen Blog und auch die Besucherzahlen angeben, wenn man ein Reziexemplar bekommen möchte. Bei Vorablesen.de ist es glaube ich nicht so, du bekommst lediglich mehr Punkte, wenn du einen Blog verlinkst und soziale Netzwerke :)

      Das hört sich nach einem guten Plan an. Und ja, Bücher sind definitiv Freunde ;)

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    2. Es gibt wirklich auch den umgekehrten Weg. Ich glaube, ich habe nur einmal was im Bloggerportal von Random House angefragt (weil ich es testen wollte) und nur einmal eine Verlegerin explizit nach einem Buch gefragt, das ich lesen wollte.
      Aber sonst bekomme ich Rezi-Exemplare entweder von den Autoren/Verlegern angeboten oder ich gewinne sie bei Leserunden.
      Heißt, schon ohne Blog musste ich mich nie bemühen, welche zu kriegen. Im Gegenteil, ich muss aufpassen, auch noch zum Lesen von Selbstgekauftem zu kommen. Seit ich einen Blog habe, ist das mit den Rezi-Angeboten nämlich etwas eskaliert :O
      Das ist aber der Grund, aus dem ich mich so... wundere manchmal über Verlage/Autoren, die sich nicht um Blogger-Relations kümmern oder meinen, der Blogger hätte gefälligst dankbar zu sein und eine 5*-Rezi zu schreiben.
      Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich vor Anfragen kaum retten kann. Verlage/SP-Autoren müssten eigentlich versuchen, den einzelnen Blogger zu überzeugen, genau IHR Buch noch *anzunehmen*, die kostbare (endliche) Zeit eines Bloggers ihnen zu "opfern". Aber das geschieht erst sehr langsam.
      Freche und herablassende 0815er Massenanfragen beantworte ich inzwischen gar nicht mehr. Die Leute wissen eh schon nicht mehr, dass sie mir geschrieben haben :P

      Ich habe schon so viele Bücher liebevoll aufgenommen... Irgendwann hoffe ich, genug Regal zu haben für all die Schätze.

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    3. Ja, natürlich gibt es auch diese Seite. Und da schüttle ich einfach nur den Kopf. Es wird einfach nicht gesehen, dass Blogger im Prinzip "kostenlose" Werbung machen. Sie bekommen das Buch, okay, aber Marketing ist teuer, vor allem, wenn ein Buch im Laden ganz vorn liegen soll oder im Fernsehen gezeigt ist. Da sind die Ausgaben für Blogger echt Peanuts.
      Ich bin wirklich froh, dass Buchblogger da auch anfangen, endlich ihren Wert zu sehen und Autoren/Verlage sich eben auch ein bisschen bemühen müssen, um ihr Buch an den Mann zu bringen.

      Und das mit dem Regal zu wenig haben, kenne ich :D Irgendwann einen eigenen Raum für Bücher, das wäre ein Traum <3

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  2. "Wenn die Menschen sich endlich mal um sich selbst kümmern würden, dann wären viele Probleme vielleicht gar nicht mehr da." - Hach, ich mag dich für diesen Post gerade total. Manchmal hab ich das Gefühl, dass die Buchbloggingszene da extrem komisch ist. Auf der einen Seite extrem unselbstbewusst was ihre eigene Bedeutung angeht (Gerade in Randgenres können Verlage ja wirklich nicht mehr ohne Buchblogs und Booktube und es ist nicht pure Nettigkeit, dass jetzt im letzten Jahr ganze Verlagsgruppen wie Random House große Bloggerportale aufgemacht haben bzw. Carlsen sich sogar schon die Blogger für ihren Presseverteiler extra nach einer Art Kurzbewerbung raussucht oder viel mehr rausgesucht hat (aktuell haben die glaube ich sogar einen kurzzeitigen Aufnahmestopp)), aber auf der anderen Seite tauchen dann doch immer mal wieder Posts/Videos auf, wie wer was tun sollte. (Diese Diskussion darüber, ob man Übersetzer in Rezis angeben soll/muss letztes Jahr war da mal wieder so ein Fall, an dem man einiges davon gut beobachten konnte.) Und zwar im Bezug auf Kleinigkeiten anstatt eventuell wirkliche Kontroversen (die man sicher finden könnte) anzusprechen. Leben und leben. Oder eben lesen und lesen lassen ;)

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    1. Dankeschön :)

      Das ist wirklich interessant. Ich hab mich neulich auch mal ganz zaghaft im Bloggerportal von Random House angemeldet. Einfach nur um zu gucken, wie das funktioniert und nur für Bücher, die ich wirklich ganz doll haben möchte, damit ich nicht in den Stress gerate, dass ich lesen muss, worauf ich gerade keine Lust mehr habe.
      Ich finde es ganz gut, dass es da eine Norm oder Richtlinie besonders bezüglich der Urheberrechte beim Cover gibt. Dann ist man nicht so unsicher und hat etwas, woran man sich orientieren kann. Wenn solche Dinge aber immer wieder geändert werden, dann ist es schwierig alle 200 Rezensionen (oder wie man sie nennt) diesbezüglich zu ändern - vor allem, wenn die Coverrechte verfallen oder das Buch mit neuem Cover verlegt wird.

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    2. Das mit den Coverrechten kann ich total gut verstehen, die waren so ziemlich der erste Grund, warum ich irgendwann damit angefangen habe, mich bei den Presseportalen von Verlagen anzumelden. :D (Das ist finde ich auch einer der vielen Vorteile, die diese Bloggerportale für beide Seiten bringen: Verlage verschwenden keine Arbeitszeit und damit Geld darauf, tausend Anfragen, ob es ok ist, Cover XY zu verwenden, zu beantworten und Blogger sind auf der sicheren Seite und kommen leicht an die Bilddateien, oft auch in verschiedenen Qualitäten. (Mal ganz davon abgesehen, dass es eben auch zeigt, wie wichtig Blogger für Verlage geworden sind, sonst würden die sich ja auch nicht die Mühe machen.))

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    3. Ja, das stimmt schon. Es gibt aber auch mittlerweile schon viele FAQs in denen steht, dass die Verlage den Bloggern die Verwendung von Covern erlauben :) Man muss sich also nicht mehr anmelden. Obwohl ich die Angebote auch ziemlich praktisch finde, auch wenn es nur um Newsletter geht. Das macht einem die Arbeit, die bloggen nun einmal ist, wesentlich einfacher ^^

      Genau das ist toll und mit diesem Bewusstsein sollte man auch bloggen oder eben als Verlag/Autor handeln. Ich finde es furchtbar, wenn ich höre, dass (unpassende) Reziexemplare einfach so zugeschickt werden - von Verlagen und auch Autoren. Ist mir zum Glück noch nicht passiert, aber da ist irgendwo der Respekt weg. Man ist ja keine Lesemaschine, wie Evanesca so schön geschrieben hat ;)

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