[Buchgedanken] Das Haus der vergessenen Bücher: Christopher Morley

Freitag, Februar 05, 2016 Tinka Beere 0 Comments

Klappentext
"„Ich danke Gott, dass ich ein Buchhändler bin, der mit den Träumen und Schönheiten und Kuriositäten der Menschheit handelt, und nicht jemand, der nur Waren verhökert.


New York, 1919. Roger Mifflin hat seine größte Leidenschaft, das Lesen, zum Beruf gemacht. In seinem Antiquariat in Brooklyn findet man ihn dort, wo der Tabakrauch am dichtesten ist. Unterstützt wird er von seiner ebenso patenten wie resoluten Ehefrau und seinem Hund Bock – Bock wie Boccacio. Bücher sind Mifflins Leben. Von Werbemaßnahmen für sein Geschäft will er allerdings nichts wissen, und so lässt er den jungen Aubrey Gilbert, angestellt bei der Grey Matter Agency, ziemlich abblitzen, als der ihm seine Dienste anbietet. Dennoch freunden sich die beiden an, und bald kommt Gilbert täglich ins Geschäft. Was auch an Mifflins neuer Hilfskraft liegen mag – der schönen Titania Chapman, deren Leben in Gefahr zu sein scheint. Und das gilt nicht nur für ihr Leben …"


Deutsche Erstausgabe, 2015
Umfang: 256 Seiten
ISBN: 978-3-455-60012-4
Verlag: Atlantik Verlag

Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass Bücher einen aufspüren und zur Strecke bringen können? Sie verfolgen einen [...] Sie riechen ihre Opfer [...] Es gibt nur eine Möglichkeit, den Geist eines Buches zu bannen - man muss es lesen.
Dieses Buch stand ja schon eine kleine Weile auf meiner Wunschliste, endlich darf ich es Mein nennen und konnte es lesen. Vom Gefühl her würde ich das Buch in zwei Häppchen unterteilen. Einmal den ersten Teil der den Bibliophilen dieser Welt gewidmet ist, bestückt mit wundervollen Zitaten, die ich hier leider wohl nicht alle aufführen kann. Und dann den zweiten Teil, der eine spannende Kriminalgeschichte umfasst.
Unter uns gesagt: Das sogenannte gute Buch gibt es nicht. Ein Buch ist nur dann gut, wenn es menschlichen Hunger stillt oder einen menschlichen Irrtum widerlegt. Ein Buch, das aus meiner Sicht gut ist, ist für Sie vielleicht ohne jeden Wert.
Auch wenn dieses Buch den Buchhändlern gewidmet ist, spricht es doch genauso viel den Autor in mir an:
In den Büchern liegt die Unsterblichkeit der Menschheit, sie sind der Ursprung von fast allem, das wert ist, in unseren Herzen bewahrt zu werden. Gute Bücher unter die Leute zu bringen, sie als Saat in fruchtbaren Boden zu bringen; Verständnis für und Achtung vor dem Leben und der Schönheit zu verbreiten - ist das nicht die höchste Aufgabe überhaupt?
Um so verblüffender, dieses Buch wurde erstmals 1919 unter dem Titel The Haunted Bookshop, ist die Aktualität dieses Buches. Erschreckenderweise teffen die Aussagen, die nach dem ersten Weltkrieg gemacht wurden, immer noch zu und sind wahrscheinlich aktueller denn je.

Den ersten Teil habe ich verschlungen, weil so viel Weisheit in diesem Buch steckt. Ich habe - obwohl ich das eigentlich nie mache - über 15 Klebezettel zwischen die Seiten gepappt. Nach den ersten Seiten war mir, als würde ich mit diesem Buch in das Paradies, ein Bücherparadies, eintauchen. Wie gerne würde ich mit liebenswerten Mr. Mifflin einen Kakao trinken und mir aus seinen Schätzen vorlesen lassen. Wenn es einen Charakter gäbe, den ich unbedingt einmal treffen wollen würde, dann wäre es dieser Glatzkopf mit einer bewundernswerten Leidenschaft für Bücher.

Als dann der Spionagefall seinen Lauf nahm, war ich eher irritiert (ich lese ja Klappentexte nicht bevor ich nicht auch das Buch gelesen habe). Aber nach und nach konnte mich auch dieser Handlungsstrang überzeugen und nach der letzten Seite habe ich mir gewünscht, ich hätte einen Band der drei Fragezeichen im Regal stehen. Auch der Schreibstil hat dazu beigetragen. Ich mochte ihn wirklich sehr und er hat dazu beigetragen, mich in eine ganz andere Welt eintauchen zu lassen.

Fazit: ❤❤❤❤❤/❤❤❤❤❤
Ein tolles Buch, dass für jeden Buchliebhaber etwas ist, nicht nur für Librocubicularisten*. Obwohl mich der Krimianteil zunächst etwas irritiert hat, konnte mich das Buch in allen Bereichen voll und ganz überzeugen.
Nun habe ich ein seltsames Gefühl, eine Art Vorahnung, dass aus diesem Chaos menschlicher Hoffnungen und Ängste wahrhaft große Bücher erwachsen könnten, ein Buch vielleicht, in dem sich die Menschheit artikulieren wird wie nie zuvor. Die Bibel ist eine ziemliche Enttäuschung, sie hat für die Menschheit nicht das getan, was sie hätte tun sollen.
*Mr. Mifflins Wortschöpfung für Menschen, die im Bett lesen.

0 Kommentare:

Wie hat dir der Beitrag gefallen?

Noch eine Tasse Tee?

Ein Kapitel geht zu Ende

Die Teestube wird mit diesem letzten Beitrag geschlossen. Ich habe mir lange und viele Gedanken darum gemacht, aber nun ist es Zeit, ein neu...