April Camp NaNo 2016 | Tag 21

Donnerstag, April 21, 2016 Tinka Beere 4 Comments

Es war noch nie so anstrengend zu schreiben.

Im Moment ist es wirklich nicht einfach. Ich schreibe und merke direkt beim Schreiben, dass es furchtbar ist, was ich da zusammentippe. Die Geschichte meine ich nicht, sondern die Wörter, die Sätze, die Absetze, die ich so vor mich hintippe.

Meine Rettung ist die Pomodoro-Technik. Ohne die käme ich wohl gar nicht voran. Mein Schreibstil ist so furchtbar, dass es weh tut, zu schreiben. Ich habe das Gefühl, meine Geschichte mit Scheuklappen zu schreiben. Ich kann mich nicht auf das konzentrieren, was rechts und links von mir ist. Ich schreibe nur stur die Geschichte, die Haupthandlung auf. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Es ist grauenvoll. Und zu diesem Dilemma kommt hinzu, dass ich kurz schreibe. Dadurch, dass Beschreibungen trocken und knapp ausfallen, ist die Geschichte natürlich auch nicht sehr umfangreich. Wenn meine Geschichte schon bei 15.000 Wörtern ihren Höhepunkt hat, was soll ich da noch herausschreiben. Und wie?


Angst. Ich habe wirklich Angst, dass da nie etwas gescheites bei herum kommen wird. Dass ich es nie schaffe, diese Geschichte, die mir doch so am Herzen liegt, zu veröffentlichen. Weil ich sie verkorkst habe, mit meinem abgrundtief schlechten Schreibstil. Kann man das überhaupt noch Stil nennen? Vielleicht habe ich sie wirklich verschrieben, so viel, wie ich schon an ihr herum gedoktert habe. Die Selbstzweifel sind groß und die Hoffnung wird jeden Tag ein bisschen kleiner.

Klar. Ich frage mich auch, woran es liegt. Herausgefunden habe ich zwei Dinge. Erstens: Seit ich angefangen habe zu bloggen, kann ich nicht mehr mit Ruhe lesen. Ich hetze von einem Buch zum anderen und will so viele Bücher wie möglich lesen, ergo lese ich auch keine langen Bücher mehr, lehne sie regelrecht ab, sie scheinen nicht mehr so verlockend, es ist eine Qual, weil ich sie nicht so schnell zu Ende lesen kann. Ich bin ein langsamer Leser und irgendwie muss ich doch mit den anderen mithalten, meine selbst gesetzte Challenge von 100 Büchern im Jahr schaffen können. Es wird so viel geschrieben und ich komme nicht mehr hinterher. Wie auch?

Ganz cool bleiben, denke ich mir. Und langsam versuche ich es wieder mit langen Büchern. Wenn, dann achte ich auf Seitezahlen, aber ich glaube, es dauert noch eine Weile, bis ich mich selbst vom Buchbloggersyndrom geheilt habe.

Und wenn ich also so "schnell" lese, so ganz ohne Ruhe, wie soll ich dann mit Ruhe schreiben können? Der NaNo ist da ein kleines Paradoxon, das weiß ich, aber ihr dürftet mittlerweile gemerkt haben, dass ich mich längst nicht mehr so stresse, wenn ich an einem Tag mein Ziel nicht erreicht habe. Ich bin also auf dem Weg der Besserung.

Zweitens: Meine Bachelorarbeit. Ich hasse wissenschaftliches Schreiben. Jetzt mehr denn je. Es versaut mir sowas von den Schreibstil. Jeder, der so schreibt/schreiben muss, weiß das. Viele lassen ihre kreative Schreibe links liegen und konzentrieren sich nur auf die Uni. Ich wollte das auch. Eigentlich, doch das hat mein kreatives Hirn nicht gemocht. Ich will schreiben und mich nicht selbst foltern. Ich habe Monate gebraucht, um nach einem Hausarbeitenmarathon wieder zurück zu kommen. Das geht so nicht. Das will ich nicht, das kann ich nicht.

Also foltere ich mich lieber und habe wenigstens etwas, das ich überarbeiten kann, als gar nichts. Und 24/7 an meiner BA zu sitzen, schaffe ich sowieso nicht. Ich brauche den Ausgleich, die Welt, die zumindest in meinem Kopf ganz ruhig ist. Ich brauche und habe diesen Rückzugsort.

Ich habe also die Herausforderung angenommen. Es ist hart, ich leide wirklich darunter. Es tut weh, schlecht zu schreiben, aber wenigstens kann ich nach meinem Abschluss weiterschreiben. Wenigstens kann ich hinterher nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Ich könnte auch anders, aber ich will nicht.


Tag 21: 32.050/50.000 Wörter
Tag 20: 30.642/50.000 Wörter
Tag 19: 29.688/50.000 Wörter
Tag 18: 28.562/50.000 Wörter
Tag 17: 26.790/50.000 Wörter
Tag 16: 26.372/50.000 Wörter
Tag 15: 20.984/50.000 Wörter
Tag 14: 20.278/50.000 Wörter
Tag 13: 18.933/50.000 Wörter
Tag 12: 16.837/50.000 Wörter
Tag 11: 16.508/50.000 Wörter
Tag 10: 16.387/50.000 Wörter
Tag 9: 16.387/50.000 Wörter
Tag 8: 14.755/50.000 Wörter
Tag 7: 12.537/50.000 Wörter
Tag 6: 7.471/50.000 Wörter
Tag 5: 5.192/50.000 Wörter
Tag 4: 4.157/50.000 Wörter
Tag 3: 2.820/50.000 Wörter
Tag 2: 1.998/50.000 Wörter
Tag 1: 1.667/50.000 Wörter

Meine Camp-Statistik

Kommentare:

  1. Hi Tinka

    irgend ein ziemlich berühmter Autor hat mal gesagt: Lieber was schlechtes schreiben, als einen Tag gar nicht zu schreiben.

    Einfach daran halten. Wie gut eine Geschichte ist, kann man als Autor doch nicht an einem Gefühl während des Entstehungsprozesses fest machen. Vielleicht passt dein Stil aktuell viel besser zur Geschichte. Oder sie ist eben noch nicht so weit, dass du sie ohne den Fleiß/Schweiß der Überarbeitung in die Welt hinaus lässt.
    Ich kann da nur eines sagen: Zweifel helfen keinem weiter, außer dem Schweinehund, der am liebsten aufhören würde, weil die Zweifel zu groß sind ( ahh neues Projekt zum draufstürzen). Lass dich nicht unterkriegen, sei stolz auf dich und deine Schreibdisziplin. Auf erreichte Ziele, auf Meilensteine. Und dann lass dich einfach von der Geschichte tragen. Hab Vertrauen in deine Idee und die Kraft der Worte. Vielleicht nimmst du das Ganze am Ende doch erst in 10 Jahren wieder aus der Schublade und dann plötzlich schreibst du die Geschichte im Überarbeiten perfekt hin. Aber vielleicht auch nicht. Nur kein Druck :) Und noch ganz viel Erfolg beim weiterschreiben. Verfolge deine Nano - Beiträge sehr gern.

    lg buchkauz

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Tinka,

    schreiben und leben gehören bei uns Autoren ja zusammen. Und bei dem einen ist es wie bei dem anderen: es ist immer wieder eine Achterbahnfahrt. Manchmal geht es zwar langsam, aber dafür beständig nach oben und wenn wir dann ganz oben angekommen sind, dann ist die Aussicht grandios. Und alles kommt einem auf einmal einfach vor, man weiß, dass man fliegen kann (und schreiben sowieso!!) und das einem alles gelingt. Und dann stürzt man sich in rasantem Tempo nach unten, genießt die schnelle Fahrt, den Wind der einem um die Ohren saust. Es ist wunderbar, herrlich, aufregend. Aber nach einem Berg kommt dann eben auch mal wieder ein Tal. Der Wagen rollt unten langsam aus, man muss aussteigen, obwohl es gerade noch so viel Spaß gemacht hat. Soll man nochmal fahren? Ach, irgendwie ist das ja dann doch mühsam und kostet Zeit und Nerven bis wann wieder ganz oben ist... ist es das wert? Auf jeden Fall!!

    Du weißt, worauf ich hinaus will! Du hast in den letzten Monaten so viel geschafft - hey, ich habe es via Internet miterlebt - und nun ist Dir alles gerade mal zuviel und Deine Energie und Dein Mut machen gerade mal Pause. Aber vertrau darauf, dass das alles noch da ist. Mach einen Schritt nach dem anderen, auch wenn es sich gerade holperig anfühlt. Und dann kommst Du ans Ziel. Ganz sicher!

    Ich glaub an Dich. Und Du wirst das auch wieder tun!
    Alles Liebe
    Nicole

    AntwortenLöschen
  3. Vielen Dank, lieber Buchkauz. Das ist wirklich schön zu lesen, vor allem, wenn man gerade nicht so viel Vertrauen zu seiner Schreibe hat. Das bedeutet mir sehr viel :)

    AntwortenLöschen
  4. Dankeschön, liebe Nicole, auch zum wiederholten Male für deine Zuversicht. Du hast recht! Schrittchen für Schrittchen und immer gerade aus. Irgendwann wird das schon wieder :)

    Hab ein schönes Wochenende :)

    AntwortenLöschen

Wie hat dir der Beitrag gefallen?

Noch eine Tasse Tee?

Big Brother is watching you

Heute ist wieder einer der "ich bin unausstehlich"-Tage. Ich fühle mich doof. Möchte mich den ganzen Tag nur zu Hause verste...