Über (Künstler-)Namen und wie sie einen verändern

Samstag, Juni 18, 2016 Tinka Beere 0 Comments

Dass Tinka Beere mein Künstlername und sogar in meinem Ausweis eingetragen ist, damit gehe ich ziemlich offen um. Ich vermeide es aber tunlichst, meinen bürgerlichen Namen in der Öffentlichkeit zu erwähnen, wenn ich als Autorin unterwegs bin. Und immer häufiger stelle ich mich auch im privaten Kontext als Tinka Beere vor.


Es gibt haufenweise Argumente für einen Künstlernamen oder Pseudonym und mindestens genauso viele auch dagegen. Wie sich jeder einzelne entscheidet, ist letztendlich seine Sache. Ich persönlich möchte mich da in meiner Entscheidung auch auf keine Diskussion einlassen und das würde ich auch anderen empfehlen. Denn: es gibt viele Argumente dafür und dagegen :-P

Doch darum soll es hier gar nicht gehen.

Ich habe mich nur bedingt bewusst für einen Künstlernamen entschieden. Es ist vielmehr einfach so über mich gekommen wie eine Geschichte, ein Charakter oder eine beliebige andere Idee. Und ursprünglich habe ich auch gar nicht daran gedacht, irgendwann einmal als Tinka Beere zu veröffentlichen. Eine Zeit lang war es irgendwie in Mode, bei Facebook nicht den richtigen Namen für sein Profil zu benutzen und so habe ich den Namen für meine Internet-Identität erfunden. Das war einige Jahre, bevor ich mich unter eben diesem Namen in dem Forum schreibwerkstatt.de anmeldete. Zwischenzeitlich erfuhr Facebook dann wieder meinen richtigen Namen, bis ich ihn aus Gründen wieder änderte. Und so ist es bis heute dabei geblieben.

Als ich anfing, es mir in der Autorenszene gemütlich zu machen, hieß ich also auf Facebook und in dem Forum Tinka Beere. Immer mehr Kontakte kamen hinzu und für die meisten steht außer Frage, dass ich tatsächlich so heiße. Denn genau das tue ich ja auch.

Tinka Beere ist nicht mehr einfach nur ein Name, den ich mir vor mittlerweile sieben oder acht Jahren ausgedacht habe, er verkörpert einen Teil meiner Identität. Ein Teil dessen, wie ich mich fühle und was ich bin. Es ist sogar schon soweit gekommen, dass sich mein "richtiger" Name als fremd anfühlt. Dennoch würde ich meinen Künstlernamen niemals als Maske bezeichnen. Eher ist dies mein richtiger Name.

Beide Namen - sowohl mein "richtiger" als auch mein Künstlername - sind ich. Nur fühlt es sich manchmal an, als seien sie zwei völlig andere Personen.

Das muss sich jetzt unglaublich schizophren anhören, aber das ist es eigentlich nicht. Mit meinem richtigen Namen bin ich auf gewachsen. Die Person, die auf ihn hörte, hat viel erlebt und wurde durch diese Erlebnisse geprägt. Viele waren positiv, aber es gibt auch negative. Das bleibt im Leben nicht aus und so ist diese Person schüchtern, nicht sehr von sich selbst überzeugt, hat Angst, was andere über sie denken, weil sie nicht ganz so normal ist und somit durch ein gesellschaftliches Raster fällt, sie hat nicht viele Freunde, wurde gehänselt und gemobbt, kann nicht gut vorlesen und bekommt rote Flecken im Gesicht, wenn sie vor anderen etwas vortragen soll - auch wenn sie begeistert von etwas erzählt und die Euphorie sie mitnimmt. Oft muss darf sie sich Fragen anhören, ob alles in Ordnung ist. Sie erregt dadurch Aufmerksamkeit, die sie nicht möchte, denn sie hasst es, im Mittelpunkt zu stehen, so dass alle sehen, welche seltsame Gesichtsfarbe sie bekommen kann ...

Tinka ist ihr in gewissen Dingen ähnlich. Sie will so viel schaffen und erreichen. Sie will glücklich sein und andere zum Lachen bringen. Sie ist auch anders und merkwürdig, aber ihr ist es egal, was andere von ihr denken, denn sie ist glücklich, wenn sie das tun kann, was ihr Spaß macht. Das Sahnehäubchen sind dann die Menschen, die an sie glauben, weil sie so ist, wie sie ist. Sie steck voller Energie und ist eigentlich nie traurig. Sie sieht immer das positive in der Welt, kann sich für so viele Dinge begeistern. Sie hört ihren Mitmenschen gerne zu und hat gelernt, wie es ist, sie selbst zu sein. Sie kann in jeder Situation zu sich selbst stehen und kann Menschen hinter sich lassen, die ihr nicht gut tun und die Kraft rauben.

Im Grunde genommen sind sie beide eins. Ein Teil von mir, ein Teil von einander. Und doch unterscheiden sie sich so extrem von einander. Ich sage manchmal, dass Tinka mein reineres, wahreres Ich ist. Sie ist mutiger und selbstbewusster, eben genau das, was mein früheres Ich gerne sein würde, aber es nie werden konnte, weil so viele Dinge es geprägt haben.

Es ist merkwürdig, dass alles an einem Namen hängt, aber der Unterschied wird allein schon durch ein Beispiel deutlich - und das macht es für mich zumindest sehr nachvollziehbar.

Mein früheres Ich wurde zum Beispiel wegen seinem Namen in der Schule gehänselt oder weil es Dinge nicht konnte. (Vielleicht war das nicht wirklich genau so, aber so erinnert mein früheres Ich sich daran.) Der Name wurde aufgerufen und sie musste vorlesen. Sie wollte es so gut wie die anderen machen, genauso schnell. Aber es wollte nicht klappen.

Und Tinka? Sie wird von anderen erkannt. Sie ist wer. Auf der Buchmesse hüpfen ihr die wundervollsten Menschen mit geöffneten Armen entgegen und rufen laut TINKA!. Tinka fühlt sich wohl unter diesen Menschen, wird umarmt und viele Menschen haben sie gern.

Frage an euch: Wer ist wohl selbstbewusster? ;-)

Allein schon deswegen würde ich mich immer für ein Pseudonym oder einen Künstlernamen entscheiden. Er kann wie ein Neustart sein, wie eine Wiedergeburt. Damit kann jeder werden, wer auch immer er will.

Nur sollte ich auch erwähnen, dass das Umfeld dabei eine große Rolle spielt. Ich habe zu sehr vielen Menschen aus meinem früheren Leben keinen Kontakt mehr. Als es noch so war, bin ich fast automatisch wieder zu meinem alten Ich geworden. Jetzt habe ich fast ausschließlich mit Menschen Kontakt, die mich als Tinka wahrnehmen, obwohl sie meinen richtigen Namen und mein altes Ich kennen. Das erleichtert mir mein Leben ungemein.

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