Vom Mut, in der Öffentlichkeit zu stehen

Samstag, September 10, 2016 Tinka Beere 2 Comments

Immer und immer, immer wieder mache ich mir Gedanken darum, was es eigentlich bedeutet, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Ich kenn das ja noch von früher. Mir wurde gesagt, die Telefonnummer gehört nicht ins Internet, auch nicht die Adresse oder andere private Dinge. Pass auf, was du im Internet teilst und das Internet vergisst nie. Auch diskrete Bilder soll man ja nicht von sich verschicken. Und so weiter ...

Sicher, das Internet hat viele Vorteile, die ich gerne für mich nutze. Dennoch ist es ein unfassbar krasses Gefühl (im positiven wie im negativen Sinne), wenn ich von anderen Menschen erkannt werde, die mich eben aus dem Internet kennen. Ich habe mich dafür entschieden, ein Stück meiner Privatsphäre nach außen zu tragen, eben um für meine Leser, euch, nahbar zu sein. Nicht nur Texte und Bilder, nein, sogar Videos könnt ihr von mir sehen. Ich möchte euch ein Stück von mir geben, damit ihr Vertrauen zu mir aufbauen könnt und das Gefühl bekommt, mich wirklich zu kennen. Das ist Teil meiner Marketingstrategie und ich habe mich bewusst dafür entschieden.




Für mich ist klar, dass es Grenzen gibt, die ich nicht überschreiten möchte. Es gibt Dinge, die sind und bleiben privat. Dazu gehören familiäre Angelegenheiten und auch andere Beziehungen - nicht nur weil andere Menschen dabei eben auch ein Wörtchen mitzusprechen haben. Bisher gab es nur eine Ausnahme, meine Beziehung zu Ben, doch da auch er eine öffentliche Person ist und wir viele gemeinsame Projekte hatten, mussten wir das nicht vermeiden. Aber auch mein Berufsleben - so es denn nichts mit dem Schreiben zu tun hat - möchte ich aus der Öffentlichkeit heraushalten. Beides gibt mir das Gefühl von Sicherheit und dass ich eben im privaten Umfeld mit Freunden darüber sprechen kann, ohne dass sie nicht nachfragen, weil ja eh alles im Internet steht :D

Das ist allerdings nicht der einzige Grund. Leider.

Viele Menschen aus meinem persönlichen Umfeld - wenn nicht gar alle - wissen, dass ich schreibe, schließlich stelle ich mich mittlerweile mit meinem Künstlernamen vor und habe auch viele von ihnen auf Facebook bei meinen Kontakten. Von der Seite aus habe ich also keine Berührungsängste mit dem privaten Umfeld. Ich bin echt froh, dass es Menschen sind, die mich so akzeptieren, wie ich bin.


Es gibt aber auch ein großes ABER. Dieses ABER beinhaltet Menschen aus meinem Umfeld, die mir vielleicht nicht gerade "wohl gesonnen" sind - von den meisten weiß ich gar nicht, wie sie mir überhaupt gesonnen sind. Es sind diese Menschen, die jeder in seinem Leben hat. Seit ich den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt habe, sind es genau die Menschen, die in mir ein komisches Gefühl auslösen. Obwohl ich mich mit meiner Internet-Aktivität (mei, klingt das komisch) nicht an sie richte, bekommen sie jedoch mit, was ich da so veranstalte. Es ist die Unwissenheit, was sie mit ihrer Anwesenheit - und ja, ich bekomme doch schon mit, dass sie anwesend sind - erreichen wollen. Umso merkwürdiger ist es, darüber zu schreiben und zu wissen, dass sie vielleicht genau das hier lesen.


Und dennoch lasse (und möchte) ich mich von den Gedanken an diese Menschen nicht davon abhalten (lassen), meinen Weg zu gehen. Immerhin sind sie ja die meiste Zeit für mich unsichtbar und noch weniger Zeit verbringe ich damit, meine Gedanken an sie zu verschwenden - auch wenn sie hin und wieder durchblitzen. Zum Beispiel denke ich daran, ob Menschen aus meiner alten Klasse oder meiner Vergangenheit wohl mein Tun verfolgen, was sie über mich sagen würden und denken, schließlich war ich ja nur die Verrückte - ja, meinen Namen schien kaum jemand zu kennen; damals. Und ich war schüchtern, unsicher, sehr still und in mich zurückgezogen - was ihr euch jetzt wahrscheinlich gar nicht vorstellen könnt.

Aber das Gefühl bleibt leider trotzdem. Wie die Aasgeier, die über einem schweben. Solange man noch lebt, haben sie nicht den Arsch in der Hose, mal zu landen und hallo zu sagen. Doch wenn deine Zunge beginnt, an deinem Gaumen zu kleben und du nur noch auf allen Vieren kriechst, hörst du sie von oben lachen. Und wenn es mit dir zu Ende geht, stürzen sie sich auf dich und nehmen dich richtig auseinander.

Doch bis das passiert, bleiben sie wie Kletten an dir haften, verfolgen jeden deiner Schritte. Und im Ernst, das ist irgendwie schon wieder ein gutes Gefühl - vielleicht verrückt, aber gut. Scheinbar bin ich mit dem, was ich tue, interessanter als ich dachte. Und wenn es nur die Sensationsgier ist. Ich weiß doch im Grunde, dass diese Geier mir nichts anhaben können. Und wenn ich aus der Wüste herausgefunden habe, weiß ich schon jetzt, dass sie mit ihren verbogenen Hälsen und zerrupftem Gefieder vor mir stehen und krächzen, dass sie ja immer ein Auge auf mich hatten. Sie halten die Krallen auf und wollen ihr Stück vom Kuchen haben.

Gut, dass es nicht nur Geier gibt im Leben, sondern auch Freunde, Menschen, die es gut meinen - auch wenn es mir vor ihnen noch peinlich ist, wenn sie sagen, dass sie meine Videos schauen. Sagen sie, sie finden es toll, mutig, bewundernswert. Sie sind für mich da und wenn es Kuchen gibt, dann werde ich mich an sie erinnern.


Leider sind es aber auch die Geier, die mir den Mut nehmen, euch mehr von mir zu erzählen. Denn es gibt da vielleicht die eine oder andere Sache, die euch interessieren könnte - Gruß an Sarah :* -, doch noch bin ich den Geiern mental nicht gewachsen. Nicht allen zumindest. Aber es wird, ganz langsam, und dann kann ich euch davon erzählen. Ich freue mich schon sehr darauf :-)

Kommentare:

  1. Hallo liebe Tinka,

    das ist ein wirklich interessanter Post geworden und ich finde es super spannend, deine Gedanken dazu verfolgen zu können.

    Ich denke, dass es gerade für unsere Generation super schwierig geworden ist, mit der digitalen Welt in Gänze umgehen zu können. Abzuwägen, was man wo von sich preisgibt. Früher war das Internet höchst gefährlich und man hat nirgendwo Daten hinterlassen ;). Heute ist es doch aber so, dass die Grenzen kaum noch existieren. Das macht es so schwer, diese zu ziehen, egal aus welchen Gründen. Gerade für uns, wo wir die Öffentlichkeit suchen bzw auch brauchen und trotzdem noch Privatperson sind.

    Ich kann dieses merkwürdige Gefühl, was du hier beschreibst, total nachvollziehen. Aus dem Stand kann ich dir etliche Menschen aufzählen, die meinen "Army of me"-Post total abfeiern werden, einfach nur, weil es sie freut, dass es mir schlecht ging. Aber ich halte daran fest, dass man dem keine Macht geben darf / sollte. Weil genau das das Ziel ist: Dass man sich weiter klein macht, wieder in die graue Maus-Zone zurückkehrt und dort bleiben wird.

    Bei mir hat es bestimmt zwei Jahre gedauert, bis ich mich überhaupt durchgerungen habe, den Schritt zu wagen und dann nochmal fast ein Jahr, bis ich endlich ein Bild von mir gepostet habe. Und das finde ich blöd. Wieso soll ich meine Handlungen auf Leute ausrichten, die sowieso alles niedermachen werden, was ich tue? Dann will ich ihnen wenigstens einen Grund geben, indem ich erfolgreich bin :D

    Ich will einfach aufhören, mir permanent Gedanken um alles und jeden zu machen, weil die meisten Gründe es nicht verdient haben, ihnen Raum zu geben. Wir beide machen ja nichts Verwerfliches.

    In meinen Augen brauchst du einfach mal so gar keine Scheu zu haben. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber du hast schon so viel erreicht. Du kannst du so stolz auf dich und dein Tun sein und auch wenn gerade das die Sensationsgier der Geier noch mehr anfacht, dann doch aber aus den richtigen Gründen. Ich mein, du hast das geschafft, was dir damals sicherlich kaum jemand zugetraut hat, weil dich keiner wahrnahm.

    Ich glaube ganz fest an dich und ich weiß, dass du stärker bist als die. <3

    Liebste Grüße,
    Sarah :)

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  2. Danke, Sarah :)

    Das ist ein toller Gedanke :D Einfach mal allen Leuten zeigen, was ne Harke ist, wenn sie denn schon unser tun verfolgen. Das ist zugegeben nicht die beste, aber auch keine geringe Motivation. Ich möchte meinen Neidern einfach nicht die Genugtuung gönnen, mich scheitern zu sehen.

    Ja, stimmt schon. Obwohl es doch ein ziemlich unkonventioneller Weg ist, den wir gehen. Künstlersein hat noch irgendwas magisches an sich und der üble Beigeschmack bleibt bei vielen: zu faul, um was richtiges zu arbeiten. Dabei können wir doch nicht wirklich anders, wir müssen uns selbst verwirken, um uns treu und glücklich zu sein und zu bleiben :)

    Danke, das ist echt lieb. Obwohl ich immer so viel zweifle und denke, andere könnten das doch auch schaffen. Das, was ich mache ist echt nicht schwer, das kriegt doch jeder hin ... Ja, wahrscheinlich schon. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was mir jemand zugetraut hat und was nicht. Ich war nur die Verrückte, wenn man mich denn wahrgenommen hat :D


    Das ist echt lieb und ich schick dir zum Dank mal eine virtuelle Umarmung rüber <3

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