[Gedanken zu ...] Stress | Wie schaffst du das nur alles?

Montag, Januar 16, 2017 Tinka Beere 2 Comments



Bloggen, schreiben, Musik machen, in einer Band spielen, schlafen, Bücher veröffentlichen, als Chefredakteurin das Schreibmeer am Laufen halten, für Freunde da sein, lesen, mich selbst so intensiv wie möglich in die verschiedensten Wissensgebiete einarbeiten, professionell texten, das Writers' Inn und darin die verschiedenen Schreibmonate managen, Buchmessen besuchen, das Studium erfolgreich beenden, Social Media, vloggen, hin und wieder eine Serie suchten ... und dann habe ich tatsächlich noch ein Eckchen Privatleben, das sich in einigen Bereichen natürlich mit oben genannten Dingen überschneidet.

Zur Veröffentlichung meines Blogging Guides wurde ich in einem Interview von der lieben Myna Kaltschnee gefragt, wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Sie bezog sich allerdings "nur" auf das Schreiben, Bloggen, das Schreibmeer, Writers' Inn und mein Studentenleben.

Meine Antwort war, dass ich an all diesen Dingen unglaublich viel Spaß habe und eben gewisse Ziele habe, die ich erreichen möchte. Dennoch habe ich damals wirklich sehr viel gemacht (wie jetzt auch noch) und mich rückblickend betrachtet im letzten Jahr ziemlich überarbeitet. Mehrere Projekte parallel laufen zu haben, ist anstrengend genug. Hatte ich mal ein bisschen Zeit, dann füllte diese sich fast von selbst aus. Ich denke, ich kann es als Luxus bezeichnen, dass ich im letzten Jahr sehr viel Zeit hatte, was verschiedene Gründe hatte. Mit viel Enthusiasmus stürzte ich mich auf jede neue Idee und jedes neue Projekt, das daher kam. Vor allem mit meinen Schreibprojekten überforderte ich mich mehr als einmal selbst.

Natürlich klingt es doof, wenn ich sage, dass ich mit zwei Veröffentlichungen immer noch keine Ahnung vom Überarbeiten habe. Mit Sachbüchern ist das etwas anderes, verteidige ich mich immer. Für mich ist es das auch noch, doch dadurch, dass ich nicht wirklich einen Plan und nur Allgemeinplätze hatte, machte es die Sache nicht einfacher. Ich plante, innerhalb einer bestimmten Zeit mit dem Überarbeiten fertig zu sein, war dann enttäuscht, weil ich es nicht schaffte, hatte es aber nicht einmal angefangen. Leichter fällt es mir, neue Dinge zu schreiben, davon wusste ich ja, wie es geht. Aber auch hier gab es einen gewissen Druck. Ich versuchte, das Überarbeiten "einfacher" zu machen, indem ich anfing, meine neuen Projekte zu planen. Das funktioniert für mich gar nicht, wenn es um Schreibprojekte geht. Diese Erfahrung habe ich aus 2016 auch mitgenommen.

Obwohl ich also im letzten Jahr sehr, sehr viel erreicht habe, wie ich in meinem Jahresrückblick festgestellt habe, fühlte ich mich sehr unproduktiv. Ich arbeitete den ganzen Tag an verschiedenen Projekten, machte nur Pausen zum Schlafen und (nicht immer) zum Essen, und kam doch irgendwie nicht voran. Statt endlich Jugendbücher zu veröffentlichen, was ich eigentlich wollte, schrieb ich an einem Sachbuch und veröffentlichte eben das. Es war einfach, ging schnell und die Nachfrage war da.

Natürlich bereue ich es nicht, aber jedesmal mit einem wehleidigen "ja, ich habe schon veröffentlicht, zwei Ratgeber für Autoren, aber eigentlich ..." fühlte ich mich mies. Ich kann nicht wirklich zu dem stehen, was ich erreicht habe, weil ich ja eigentlich was ganz anderes will. Mein Ziel ist ganz woanders, der Blogging Guide und die 30 Tage Schreibchallenge sind Herzensprojekte, die ich nicht missen möchte, und doch sehe ich mich als Jugendbuchautorin. Das nagt an mir, an meinem Selbstbewusstsein, an dem, was ich von mir erwarte ... Weil es nicht mein eigentliches Ziel ist.


Kurzum, die letzten Wochen waren begleitet von diesem Gefühl. Ich will nicht mehr dieses "aber eigentlich". Ich will, ja, vielleicht ein bisschen angeben, mit dem, was ich so veranstalte, und aufrecht dazu stehen können. Ohne ein doofes Gefühl. Daher habe ich aufgeräumt, mit dem, was ich mache. Habe meine Projekte sortiert, Aufgaben abgegeben und Dinge hinter mir gelassen, die ich gerne mache(n würde), welche mir jedoch Zeit und Kraft rauben. Ich möchte Dinge tun, die mich weiter, mich meinem Ziel näher bringen.

Wenn es auch keine richtigen Neujahrsvorsätze sind, weil ich sie schon im letzten Jahr gefasst habe und auch dabei bin, sie umzusetzen, kann man sie eigentlich auf jedes einzelne der "kleinen" Ziele, die ich im Hinterkopf für dieses Jahr habe, übertragen:

Chillout!
und
Was mich weiterbringt, bringt mich weiter

So stehen sie an meinem Whiteboard - nicht super intelligent formuliert, ich weiß, doch für mich genau das, was ich in meinem Leben möchte. Ich möchte wieder mehr auf mich achten, mich nicht mehr mit Dingen überarbeiten, die mich nicht weiterbringen. Zeit zum Runterkommen, mir auch mal etwas gönnen, um mehr Energie für meine (trotzdem noch) zahlreichen Projekte zu haben.
Und ich möchte nur noch Dinge tun, die mich weiterbringen - in welcher Form auch immer. Zu sehr habe ich mich in den letzten Jahren an Dingen aufgehängt und mich verzettelt. Ich wollte zu viel und habe zu kompliziert gedacht (das werde ich wohl nie in den Griff kriegen, aber ich kann versuchen, damit zu leben). In meinem Leben möchte ich nur noch Dingen/Menschen/Projekten einen Platz geben, die es auch wert sind, welche mich weiterbringen, welche mir gut tun.
Damit bedingen sich beide Vorsätze und verschmelzen auch ein wenig miteinander.

Vielleicht schaffe ich damit - und auch aus privaten Gründen - nicht ganz so viel wie im letzten Jahr, aber dafür Dinge, die mir wirklich wichtig sind und mich meinem großen Ziel ein Stück näher bringen. Außerdem habe ich wieder mehr wirkliche Freizeit, in der ich zum Beispiel lesen kann, denn das ist mir im letzten Jahr eindeutig viel zu kurz gekommen.

Um die Frage "Wie schaffst du das nur alles?" zu beantworten: Gar nicht. Jedenfalls langfristig gesehen nicht auf eine Art, die mir gut tut.

Kommentare:

  1. Liebe Tinka,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Das Geständnis, dass dir manchmal alles zu viel wird, hat dich sicher Kraft gekostet, aber es macht dich auf eine Art auch so menschlich, weil ich mich schon lange gefragt habe: "Wie zum Teufel schafft die das alles?"

    Ich tendiere ja sehr dazu, mich mit anderen zu vergleichen und ich habe mich schon als Versagerin gefühlt, weil ich den Eindruck hatte, dass die Menschen um mich herum viel mehr schaffen als ich - und das, obwohl ich nicht mal berufstätig bin und eigentlich die Zeit für die Dinge hätte, die ich erreichen möchte.

    Dieser Beitrag hat mir gezeigt: Es ist nicht immer alles so, wie es nach außen scheint.

    Ich kann verstehen, dass du in neuen Jahr etwas zurücktreten willst und da kann ich dich auch nur dazu ermutigen. Jeder braucht etwas Zeit für sich, die solltest du dir nehmen und einfach mal die Seele baumeln lassen. :)

    Ich wünsche dir ein entspanntes 2017!

    Liebste Grüße
    Myna

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    1. Dankeschön, liebe Myna :)

      Ja, dass ich im letzten Jahr noch nicht wirklich einem Brotjob nachgehen musste, machte vieles einfacher. Jetzt muss ich eben priorisieren und schauen, was wirklich wichtig ist, um voranzukommen. Das erschreckendste ist rückblickend, dass ich vom Wechsel der Jahreszeiten immer wieder überrascht wurde - die habe ich gar nicht mehr mitbekommen. Ich habe mich auf den Sommer gefreut, auf den Herbst, konnte diese Zeit aber nicht wirklich genießen.
      Phasenweise ist mehr tun vielleicht ganz gut, aber auf Dauer sicher nicht gesund.

      Ja, den Vergleich mit anderen kenne ich auch nur zu gut. Klar berichtet man nicht alles der Öffentlichkeit. Vor allem, wenn es mal nicht so rund läuft. Ich ziehe mich da eher zurück und bin dann wieder da, wenn ich dieses Tief überwunden habe. Davon kriegen andere aber vermutlich eher weniger mit und es entsteht der Eindruck, das Leben der anderen laufe perfekt. Deswegen versuche ich im Nachhinein mit diesen reflektierten Gedanken zu zeigen, dass nicht immer alles rosarot ist.
      Ich versuche das auch in meinen Vlogs rüberzubringen, aber es ist nicht so einfach zu sagen, ich habe das und das vor gehabt, aber das und das wieder nicht geschafft - vermutlich ist das für die Zuschauer auch langweilig, darum lasse ich das irgendwann weg und berichte nur noch von dem, was ich wirklich geschafft habe.
      Ich versuche mit Vorhaben, die ich nicht schaffe, so umzugehen, dass ich immer wieder reflektiere, und mir meine Ziele runterschraube/an die Realität anpasse und mich eben keinesfalls mit anderen vergleiche, sondern eher mit mir selbst. Schaue ich auf die letzten drei, vier Jahre zurück, dann wird mir bewusst, wie krass ich mich entwickelt habe. Das motiviert und ich kann mir dadurch auch mal erlauben, mich ein bisschen auf meinen Lorbeeren auszuruhen :D Meine Ziele werden dadurch ja nicht weniger wichtig, manchmal muss man aber ein bisschen Schwung holen, um wieder neu durchzustarten.

      Danke, das wünsche ich dir auch. Ich persönlich finde, dass du auch sehr stolz auf sein kannst, was du erreicht hast, auch wenn immer mal wieder Rückschläge kommen. Allein dass du so offen über deine - ich nenne es mal so - Krankheit sprichst, finde ich bewundernswert und sehr mutig von dir! Und die Menge an Wörtern, die du zusammenschreibst ... Respekt!

      Ganz liebe Grüße
      deine Tinka

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