[Life Update] Es ruckelt immer ein bisschen, wenn das Leben in den nächsten Gang schaltet

Freitag, Mai 12, 2017 Tinka Beere 2 Comments



Ich glaube, es gibt keine Worte, die die letzten Monate meines Lebens besser beschreiben, als diese.

So im Nachhinein betrachtet, könnte es mit meiner Social-Media-Unlust begonnen haben ‒ oder vielleicht auch schon früher. Schwer zu sagen. Aber so langsam habe ich das Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Viele Dinge sind passiert, die eigentlich nur mein Privatleben betreffen, doch sie haben mehr Auswirkungen auf mein Autorenleben, als gedacht. Ich habe versucht, so weiterzumachen, wie bisher, doch bin gnadenlos gescheitert. Natürlich. Wie konnte ich auch glauben, dass ich mit Brotjob genauso viel Zeit für meinen Kram habe, wie während der letzten Monate meines Studiums, in denen ich eher weniger als mehr zu tun hatte. Und dann gab es noch Dinge, die ich nicht geplant hatte. Dinge, die einfach so passiert sind.

Ohne weiter auf private Details einzugehen, versuche ich euch trotzdem, einen kleines Update aus meinem Leben zu geben.


Das Ende des letzten Jahres war geprägt von Existenzängsten, die mich mehr als einmal zur absoluten Verzweiflung gebracht haben. Zwar motivierten mich die Veröffentlichung von #30TSC, die Reaktionen auf das Buch und die Buchmesse mit ihren zahlreichen Eindrücken, dennoch war die gesamte Situation ziemlich belastend. Das Studium war zu Ende, die finanzielle Situation alles andere als rosig und kein Job in Sicht. Hinzu kamen die Selbstzweifel und der Frust, weil ich mit meinem Buchprojekt irgendwie nicht weiterkam. Ich wusste nicht, wie ich dieses Projekt anpacken sollte und war mit allem eigentlich ziemlich überfordert.
Privat habe mich an alles und jeden geklammert, der da war und wurde trotzdem von der Einsamkeit und dem Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein übermannt. Die Flucht in meine Gedankenwelten half nicht viel und die wachsende Unzufriedenheit mit meiner Situation schien, mir auch den Zugang zu ihr zu verwehren.
Trotz der Einsamkeit und dem Gefühl, niemanden zu haben, zog ich mich immer mehr zurück. Social Media wurde mir zuwider, weil ich das Bild, welches andere von mir haben, nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Auch ich bin nur ein Mensch. Auch mir ist nicht immer zum Lachen zumute. Auch ich bin nicht immer fröhlich. Damit fasste ich auch den Entschluss, mir meine Haare nicht mehr im wunderschönen Rubinrot nachzufärben, welches ich eigentlich liebe. Es passte nicht mehr zu mir. Es fühlte sich nicht mehr richtig an.

Etwas Aufwind gab es dann im Januar. Ich fand einen Job, mit dem ich meine Miete und die sich angehäuften Zahlungsrückstände begleichen konnte. Eine kleine Sorge weniger, wenn auch die Frustration über die eine oder andere Behörde blieb, die einem gern mal Steine in den Weg legte. Zumindest konnte ich mich über Wasser halten.
Dennoch unterschätzte ich es, was es heißt einen Teil-, der sich schneller als gedacht zu einem Vollzeitjob mauserte, zu haben. Waren es vorher finanzielle Sorgen und Ängste, Dinge in meinem Kopf, die mich vom Schreiben abhielten, davon, an meinen Projekten zu arbeiten, sind es nun reale Zeitfresser. Hatte ich gedacht, in ein paar Wochen hätte ich mich im Job eingearbeitet und könne dann wieder mein Autorenleben wie gewohnt mit kleinen Einschränkungen aufnehmen, dauerte diese Phase doch länger.


Nicht nur Schreibziele bleiben auf der Strecke, sondern auch private Projekte und Vorhaben. Alles lag auf Eis, meine Ausdauer hat extrem gelitten, wo ich doch so gut in Form war und das Joggen unglaublich viel Spaß machte.

Kurz gesagt: mein Leben wurde ordentlich durcheinander geschüttelt.

Zu diesem Zeitpunkt gab ich auf, mich zu wehren und entschied mich, mir wirklich die Zeit zu geben, die ich brauche. Konnte ja nicht mehr so lange dauern, schließlich arbeitete ich mich gut in den Job ein, kam wieder unter Menschen und mit den Kollegen lief es auch ganz gut.

Im Februar folge dann der nächste Ruckler, der ganz und gar nicht eingeplant war und mich, die gerade erst versuchte, auf ihren wackligen Beinen Halt zu finden, erneut ins Wanken brachte. Ich musste lernen, loszulassen und auf mein Gefühl zu vertrauen. Mauern einreißen, die ich aufgebaut hatte und mir das Glück zu gönnen, welches mir passierte. Wieder hatte ich keinen Kopf für meine Projekte und das echte Leben geriet mehr in den Fokus, als mir lieb war ‒ obwohl ich dieses neue Leben, was begann, mehr als genieße, ist es schwer für mich gewesen, alles unter einen Hut zu bringen. Ich war hin und her gerissen und wusste oftmals nicht, wo mir der Kopf stand. Ich wollte dies und doch auch das andere ... Ich wollte alles, war überfordert, stand unter Strom, war gereizt und sehr empfindlich.

Es folgen die Buchmesse und ziemlich rasch auch das Camp NaNoWriMo. Für das letztere hatte ich die Überarbeitung meines Jugendbuchs eingeplant, allerdings war mein Kopf noch lange nicht frei genug dafür. Immerhin hatte ich wieder mehr gelesen als in den Wochen davor.
Vielleicht hätte ich schreiben können. Und auch überarbeiten. Doch die nötige Disziplin dafür konnte ich bei bestem Willen nicht aufbringen. Vielleicht wollte ich auch gar nicht. Vielleicht wollte ich mir einfach mal gönnen, nichts zu tun, was mit dem Schreiben zu tun hat. Einfach mal das Leben genießen, ohne Autor sein zu müssen. Es tat gut, Luft zu holen, mir den Druck zu nehmen und einfach Privatmensch zu sein.
Ein paar Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe, erscheinen morgen im Schreibmeer. So angetan ich davon bin, mir eine Schreibroutine aufzubauen, täglich an meinen Projekten zu arbeiten (halte ich nach wie vor für sinnvoll ... wäre auch doof, was anderes zu sagen, schließlich habe ich ein Buch darüber geschrieben :D ), so sehr weiß ich auch eine Auszeit zu schätzen.
Aus Erfahrung weiß ich, dass es einfacher ist, eine Sache nach der anderen und nicht alle auf einmal zu ändern (oder wieder zu versuchen, auf die Reihe zu kriegen). Und so lag mein Fokus darauf, zunächst wieder in meinem Leben klar zu kommen, ganz entspannt und ohne mich unter Druck zu setzen, und erst dann Schritt für Schritt den Luxus, was eine Schreibroutine und Co. sind, in mein Leben zu integrieren.

Nach meinem Tief im Winter ist es superschön, zu spüren, wie die Lust am Bloggen und Social Media wieder kommt, wie die Kreativität zurück zu mir findet, die Ideen sprudeln und damit auch die Motivation, Dinge anzupacken, wächst. Ich schmiede Pläne für neue Buchprojekte und kann es kaum erwarten, diese umzusetzen.

Bildquelle: Bloglovin'

Kommentare:

  1. Ich sehe so viele Parallelen zu meinem eigenen Leben in den vergangenen Monaten. Nachdem ich mich für die Aufgabe einer 10 Jahre langen Tätigkeit entschieden hatte, gab mir das Schreiben und die enge Einbindung in die Autorenszene Kraft. Dann berufliche Achterbahnfahrt in einem Zwischenzeit-Job, das Ankommen in einem neuen, der Umzug nach Frankfurt und immer wieder neue Leute kennen lernen. Dann stelle ich nach drei Wochen Twitterpause fest, dass es mir dadurch signifikant besser geht.
    Fazit: Ich komme kaum noch zum Schreiben. Und ich habe keinen Bock mehr auf Twitter. Social Media nur noch, um sich für öffentliche Treffen anzumelden.
    Liebe Tinka, ich wünsche dir, dass du den richtigen Weg findest, auf deinem Weg voran zu kommen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich habe auch gemerkt, dass Social Media total schlaucht. Immer da sein, immer erreichbar und immer über "Fortschritte" zu berichten, setzt total unter Druck - vor allem, wenn man eine Zeit lang nicht weiterkommt.

      Dankeschön, das wünsche ich dir auch :-)

      Löschen

Wie hat dir der Beitrag gefallen?

Noch eine Tasse Tee?

Kreatives Tief und Life-Update

Seit ein paar Tagen kribbelt es mir so dermaßen in den Fingern, dass ich nicht mehr anders kann, als endlich wieder zu bloggen. Es hat ...