Gebe ich meine Lebensträume auf?

Sonntag, Juli 09, 2017 Tinka Beere 0 Comments



Vor ein paar Tagen gab es wieder Momente, in denen ich mich selbst gehasst habe. Ihr wisst schon, diese bestimmte Phase einmal im Monat. Und diesmal war ich wieder total sensibel und habe völlig überreagiert. Aber genau das hat mich auch zum Nachdenken gebracht. Viel zu oft suche ich zuerst Fehler bei anderen Menschen. Wenn sie mich nicht verstehen, versuche ich verzweifelt, mich zu erklären. Denn ... sie müssen mich doch irgendwie verstehen. Oder nicht?

Mir ist klar geworden - mal wieder -, dass meine Gedanken manchmal einfach viel zu verworren sind, als dass sie andere verstehen können. Ich sage Dinge, die für mich ganz logisch klingen und nachvollziehbar sind, aber andere Menschen können diese eben nicht so sehen wie ich. Es ist schwer, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt - vor allem, wenn man diese Menschen liebt -, die einen nicht immer verstehen können. Auch wenn es mein größtes Anliegen ist, immer jeden Gedanken eines anderen Menschen nachvollziehen zu können, kann ich das nicht von anderen erwarten. Doch genau in diesen schwierigen Momenten fällt es mir besonders schwer. Auch wenn es nicht immer so ist - zum Glück - bin ich für eins, zwei Tage extrem nah am Wasser gebaut. Nur eine winzig kleine Kleinigkeit wirft mich komplett aus der Bahn. Und am nächsten Tag - oder den Tag danach - ist alles wieder wunderbar und ich ärgere mich über mich selbst. Dass ich überreagiere, selbst viel zu sensibel bin, aber eben nicht, so feinfühlig wie ich es sein möchte, zu anderen. Dass ich in diesen Momenten punktgenau die Ängste anderer Menschen treffe und doch eigentlich nur verstanden werden will.
Aber verstanden werden wollen ist nur die eine Seite. Ich will akzeptiert werden, wie ich bin, aber auf der anderen Seite möchte ich dies auch meinen Mitmenschen geben können. Dazu gehört auch, akzeptieren, wie sie ticken, was sie denken und vor allem, dass sie mich nicht immer verstehen können.

Dennoch hat diese Überempfindlichkeit meinerseits zu sehr intensiven Momenten und langen, guten Gesprächen mit einem Menschen geführt, der mir sehr, sehr wichtig geworden ist - okay, eigentlich habe ich fast nur zugehört :-D Und ein Ergebnis daraus ist, zu zeigen, wie wichtig mir dieser Mensch ist (Show don't tell funktioniert auch im echten Leben). Dazu gehört für mich auch, mich meinen Ängsten zu stellen. Die Angst, anders wahrgenommen zu werden, weil ich die Beziehung vor Menschen verheimlicht habe, die es - vermeintlich - etwas angehen sollte, was es aus meiner Sicht aber nicht tut. Ich wollte das, was ich da neues in meinem Leben habe, beschützen mit aller Kraft, die ich habe. Diese Beziehung ist etwas, was ich noch nie so intensiv und in dieser Art hatte und ich bin dankbar für jeden Moment, den ich mit diesem Menschen verbringen kann.

Angst war ein Gefühl, das in den letzten Monaten immer präsent war. Nach dem, was ich in der Vergangenheit erlebt habe, eigentlich kein Wunder. Die letzten Tage und Gespräche haben mir aber wieder gezeigt, dass diese Angst unnötig ist. Ich habe ein Versprechen gegeben, ein für uns beide sehr wertvolles. Das heißt aber auch, die eigene Angst zurückzulassen, vor der Möglichkeit irgendwann allein dastehen zu können, ewig viele Fragen beantworten zu müssen, wenn es irgendwann nicht mehr so ist. Ich wollte keine Beziehung in der Öffentlichkeit führen (müssen), weil man ja mitkriegt, wie es so gehen kann. Ich wollte keine Rechtfertigungen, wenn es irgendwann mal vorbei sein sollte - aber ich will diesen wichtigen Teil meines Lebens nicht ausschließen. Aus dem, was ich so mache, aus meinem Leben. Immer drum herum reden und ihn geheim halten, nur weil ich Angst habe, dass es irgendwann nicht mehr so sein könnte.

Angst ist ein schlechter Berater, also habe ich ihm gekündigt. Zumindest in diesem Punkt, denn Ängste loszulassen, gehenzulassen ist schwer. Mir wurde klar, auf was ich verzichte, wenn ich ihr mehr Raum geben würde als nötig. Und das ist ein Verzicht, den ich nicht bereit bin, einzugehen. Ich will im jetzt leben und nicht in einer Zukunft, die möglicherweise irgendwann einmal sein könnte.

"Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein. Und die Geschichten, die wir dann erzählen traurige Konjunktive sein ... Wenn wir dann alt sind und unsere Tage knapp, und das wird sowieso passieren, dann erst werden wir kapieren: Wir hatten nie was zu verlieren, denn das Leben, das wir führen wollen, das können wir selber wählen. also, lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen."

Dieser Text von Julia Engelmann aus meinem Bericht vor zwei Wochen funktioniert auch anders herum. Ich will nicht in der Angst leben, weil meine Zukunft einer dieser Konjunktive sein könnte. Ich will jetzt leben! Ohne Angst.

Ich habe mein Leben immer allein geträumt. Wenn ich allein wäre, dann hätte ich wenigstens noch Träume gehabt, die heile wären, in denen kein Teil gefehlt hätte. Mir war klar, dass ich niemanden zwingen will, diese Träume mit mir zu teilen, die ja eigentlich nur für mich allein gedacht waren.
Jetzt plötzlich gibt es diesen Menschen, der meine Träume nicht teilt, der sie dafür aber akzeptiert und respektiert. Ich kann ich selbst sein und es war letztendlich meine Entscheidung, meine Träume zu überdenken. Nicht, sie rest- und ersatzlos zu streichen, das könnte ich nie. Ich wollte nie meine Lebensträume für andere Menschen aufgeben, dafür bin ich zu sehr Sturkopf. Aber einen kurzen Realitätscheck durchführen, schauen, was möglich ist MIT diesem Menschen in meinem Leben. Was sich trotzdem umsetzen lässt und wie nah ich der Erfüllung meiner Träume mit diesem Menschen kommen kann, ohne auf etwas zu verzichten, dass ich liebe und von ganzem Herzen will.

Ich habe also neu geträumt. Und auch diese Träume fühlen sich richtig an, machbarer als die, die ich schon seit meiner Kindheit und Teenagerzeit in mir trage. Wichtig ist mir nicht mehr, das Bild in meinem Kopf eins zu eins umzusetzen, sondern das Gefühl zu verwirklichen. Und das ist gleich geblieben. Vielleicht sogar noch viel schöner, weil ich weiß, dass ich den Menschen, den ich liebe und die Träume meines Herzens nicht gehen lassen muss. Ich kann beides haben. Und das macht mich im Moment sehr glücklich.

Und die Angst? Keine Spur mehr.

Ich habe mich entschieden. Ich weiß, was ich will. Und daran habe ich keine Zweifel.

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