Wenn ich in einem Jahr tot wäre ... oder Gedanken zu "mein bester letzter sommer"

Donnerstag, Juli 27, 2017 Tinka Beere 0 Comments



Würde ich etwas anders machen, wenn es mich in einem Jahr nicht mehr geben würde? Wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte? Wenn ich niemals 27 Jahre alt werden würde? Und wenn ja, was würde ich anders machen?

Mich interessieren solche Fragen tierisch. Viel mehr die Antworten darauf. Sie führen dazu, dass man sich Gedanken darum macht, was wirklich wichtig, was wesentlich ist. Gibt es Dinge und Menschen, mit denen man sich wirklich in den letzten Lebensmonaten oder -wochen umgeben möchte? Und wenn es Menschen und Dinge gibt, die ein klares Nein im Zusammenhang mit dieser Frage bekommen, warum umgibt man sich noch mit ihnen? In Wirklichkeit weiß man doch nicht, wie lange man hat und möchte man sich eben mit negativen Dingen umgeben, die einem nicht gut tun? Oder auch Angewohnheiten oder Routinen, wenn das Leben schon morgen zu Ende sein könnte?

Aber nicht nur das, was aktuell ist, könnte einen Blick auf das Wesen(tliche), auf das, was wichtig ist, vertragen. Auch das, was sein könnte. Welche Wünsche und Träume möchte und kann man sich noch erfüllen, bevor das Leben zu Ende ist? Sich bewusst zu machen, was möglich ist, wenn man nur eine begrenzte Zeit dafür zur Verfügung hat, kann, denke ich, sinnvoll sein, um seine Träume und Wünsche zu erfüllen und anzugehen.


Wenn ich mir vorstelle, dass ich nur noch ein Jahr zu leben hätte, bin ich einerseits ziemlich ruhig, weil ich mein Leben aktuell so lebe, wie ich es mir wünsche. Ich mache keinen Job, den ich hasse. Ich bin mehr oder weniger bei mir selbst, kann mich verstehen, wieso ich manchmal wie reagiere. Ich weiß, was mir gut tut und was nicht. Ich umgebe mich mit Menschen, die mir gut tun, und habe trotzdem Dinge, die ich noch erreichen möchte. Sicherlich schaffe ich das nicht mehr, bis in einem Jahr, aber für mich ist es okay zu wissen, dass ich einige Lebensziele nicht erreichen werde.
Im Gegensatz zu Tessa zum Beginn des Buches "mein bester letzter sommer" von Anne Freytag hoffe ich, nicht aufzugeben, weil das Ende nah ist, sondern trotzdem weiterzumachen und weiterhin eine Art Vorbild für andere zu sein und sie zu inspirieren.

Da ich gern Dinge sofort anpacke, fällt mir gerade nichts ein, was ich noch gern anfangen möchte - sei es eine Sprache zu lernen oder ein Instrument zu spielen. Da ich zumindest das schon getan habe: angefangen :D

Aber es gäbe noch einige Orte, die ich gern (wieder) besuchen würde. Da wäre zum Beispiel Prag, meine absolute Lieblingsstadt, oder Schottland. Beides Orte, an denen ich schon war, und vielleicht sind es hauptsächlich nostalgische Gründe, warum ich dort noch einmal hin möchte. Aber auch Island steht auf meiner Wunschliste sehr weit oben. Und ja, ich habe dieses Land schon geliebt, bevor es beliebt wurde und gefühlt jeder in der Onlinewelt, der etwas auf sich hält, dort war :D
In einem Jahr könnte zumindest Prag machbar sein - auch finanziell. Die anderen Orte wären sicherlich schwierig.

Ein Punkt, der mich einerseits traurig macht, aber andererseits auch eine ziemliche Last von mir nimmt, ist das Schreiben und Bücher veröffentlichen. Ich merke einfach, dass mir Druck in diesem Bereich meines Lebens nicht wirklich gut tut. Ich liebe die Schreibmonate, doch es ist eher das Nostalgische daran, was mich beflügelt, vor allem durch die Erfahrungen in meinem ersten NaNo. Einen Roman zu veröffentlichen ist, wenn ich mal ganz tief in mich hineinhöre, nicht das, was ich noch unbedingt tun möchte in meinem letzten Jahr.

Eine Idee, die mich schon eine Zeitlang nicht loslässt, ist mein Wunsch, wieder mehr Kontakt zu Tieren zu haben. Ein eigener Hund oder sogar ein Pferd ist finanziell und zeitlich gerade nicht wirklich drin. Aber ich überlege tatsächlich, meine Zeit trotzdem wieder mit diesen Tieren zu verbringen. Mir schwebt auch schon vor, wie ich das tun könnte, aber dazu später mal mehr.


Diese Gedanken kamen mir, während ich das Jugendbuch von Anne gelesen habe. Ich habe mir viele Gedanken über den Tod gemacht und finde es nach wie vor schade, dass das Thema so - im wahrsten Sinne - totgeschwiegen wird in unserer Gesellschaft. Dabei wäre es doch so wichtig, mit Tod und Krankheit umgehen zu lernen. Ich habe zum Beispiel selbst einige Probleme mit Menschen mit starker (geistiger) Behinderung. Nicht, dass ich was gegen sie hätte. Ich weiß einfach nicht recht, mit ihnen umzugehen. Genauso ist es übrigens mit Kindern für mich, vor allem Kleinkinder und Babys. Wenn körperlich mit anderen Menschen nicht alles paletti ist, dann ist das so gar kein Problem für mich. Das überrascht mich vor allem in letzter Zeit sehr. In einer Gruppe von jungen Frauen fällt mir nicht auf, dass dort eine dabei ist, die offensichtlich übergewichtig ist. Bediene ich eine Kundin, die verkürzte Arme hat oder fast blind ist, dann starre ich nicht oder schrecke zurück, sondern gehe ganz normal mit ihr um. Ich bin genauso freundlich wie zu den anderen (hoffe ich). Das einzige ist, dass ich etwas mehr darauf bedacht bin, meine Hilfe anzubieten ...

Zurück zum Buch. Ich finde es toll, dass ich als Leser in die Gefühls- und Gedankenwelten von Tessa eintauchen konnte. Ihre Angst, sich zu zeigen, fand ich überhaupt nicht übertrieben und die Art, wie damit umgegangen wurde, um sie zu überwinden, war keinesfalls aufgesetzt oder unrealistisch. Es hat mich eher angeregt, über meine eigenen Zweifel und Ängste anders zu denken.
Gespickt war das Buch mit wunderschönen Illustrationen und auch dass ich in die Sicht von Oskar eintauchen durfte, hat mir sehr gut gefallen. An manchen Stellen wusste ich aber nicht, ob mir Oskars Gedanken zu unglaubwürdig waren, aber das hat der Geschichte keinen Abbruch getan. Ich liebe die Art, wie Oskar mit Tessa umgeht und ihr Mut macht und es erinnert mich ein wenig an meinen eigenen Oskar ^^

Alles in allem ist es ein sehr schönes Jugendbuch und gerade für den Sommer perfekt. Auch wenn es das Wetter im Moment nicht so gut mit uns meint, kann man gemeinsam mit Teskar in Italien schwitzen. Ich habe diesen Roadtrip auf jeden Fall genossen und freue mich schon auf die nächsten Bücher von Anne :-)

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