der Supergau - oder: bei mir läuft auch nicht immer alles super

Montag, November 13, 2017 Tinka Beere 0 Comments




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Zwar nutzte ich diesen Namen zuvor schon privat für meinen Facebook-Account, allerdings begann im Mai 2013 mit der Anmeldung in der Schreibwerkstatt mein Autorendasein offiziell. Nur wenige Monate später bestritt ich erfolgreich meinen ersten NaNoWriMo, begründete meinen Blog "Teestube" (wenn auch damals unter anderem Namen), rief die Facebook-Gruppe "Writers' Inn" (ebenfalls unter anderem Namen) ins Leben, vernetzte mich in den folgenden Monaten und Jahren immer weiter mit Leuten aus meiner Szene, schrieb für das Schreibnacht-Magazin und lektorierte später auch in selbigem, wurde auf meiner ersten Buchmesse in Leipzig von Menschen erkannt, mit denen ich nicht einmal viel Kontakt im Vorfeld hatte, ließ meinen Künstlernamen auf meinem Ausweis eintragen, erschuf das Schreibmeer in einem nächtlichen Anflug von Größenwahn, belegte den Marketingkurs bei Annika, ... Kurz: ich sammelte immer mehr Erfolge und kann es selbst kaum glauben, was ich auf die Beine gestellt habe.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Ungern teile ich sie mit anderen Menschen, da ich es hasse zu jammern und bemitleidet zu werden. Ich konzentriere mich lieber auf die schönen Dinge im Leben, doch in den letzten Wochen ist so Einiges passiert, an dem ich euch teilhaben ließ. Allen voran warf mich das Ende einer Freundschaft ziemlich aus der Bahn. Es war nicht nur eine psychische Belastung, weil ich mich immer wieder fragte, warum und wie das passieren konnte, denn vor so ziemlich genau einer Woche streikte auch mein Körper und zeigte mir mit ziemlich unangenehmen Bauchkrämpfen, wie der Hase läuft.

Besonders schlimm war diese Erfahrung, weil eben genau mein Erfolg schuld an alledem zu sein schien. Ich bezeichne es ungern als Erfolg, weil man dafür hart arbeiten muss, denke ich. Was ich euch oben aufgeführt habe, ist alles automatisch passiert, weil es mir leicht fiel, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Ich war getrieben von meiner Neugier und meiner Leidenschaft für das, was ich tue. Genau wie ich mich nicht sonderlich für mein Abi (eher weniger aus Leidenschaft) und das Studium (eher mittelmäßige Leidenschaft dafür mehr Neugier) angestrengt habe. Ich habe es geschafft, aber hätte ich mich bemüht, könnte ich noch viel besser sein ... Wie auch immer - es schmerzt, mit Eifersucht konfrontiert zu werden, mit Neid, weil andere noch nicht das erreicht haben, was ich geschafft habe. Ich finde es so leicht und will auch andere zu dem verhelfen, was ich geschafft habe, zeige Wege und unterstütze und motiviere gerne ...

Und dann bekommt man eben jenen Schlag ins Gesicht.

Und darf sich mehrere Tage mit dem Resultat herumquälen. Mein Liebster bezeichnete mein Gebärden als "sterbender Schwan"; den Rest überlasse ich hiermit eurer Phantasie ...

Und genauso fühlte es sich auch an. Ich habe ernsthaft gedacht, ich müsste ins Krankenhaus. Ich konnte nicht richtig liegen, nicht einmal weinen oder irgendeinen geraden Satz denken geschweige denn aussprechen. Nur zwei Dinge wurden in mir laut: Einmal der Vorwurf an mich selbst, dass ich in gewisser Weise selbst schuld an dieser Situation war und dann, wie um Himmels Willen ich das meinem Chef erklären sollte. Und dann ist da ja noch das Schreibmeer und mein anderer Autorenkram in der Öffentlichkeit. Und der NaNo!

Gut, die Woche begann kacke und noch Tage später fühlte sich mein Magen nicht sonderlich gut an, als der eigentliche Supergau passierte. Das grandiose Finale der vergangenen Woche war der Verlust sämtlicher Dateien, die nicht primär auf meinem PC oder in der Dropbox gespeichert waren. Also alles außer zwei Romanprojekten, meinem nächsten Ratgeberprojekt und eben ein paar Schnipseln meines NaNo-Projekts.

Vor allem das riss ein riesiges Loch in die Trümmer meines bereits angeschlagenen Selbsts und zermalmte alles in mir. Ich habe ernsthaft für einen Moment gedacht, alles hinzuschmeißen. Das einzige, was mich diese Woche bei Laune hielt, war die Online-Autorenmesse. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Und so tat ich wirklich nur das und ließ alles andere liegen. Kein Schreiben. Kein Schreibmeer. Kein Social Media. Alles lag brach ...


Warum schriebe ich darüber, wenn ich doch solche Dinge eigentlich ungern in die Öffentlichkeit trage? Damit Menschen sehen, dass auch bei mir nicht alles gut läuft. Dass Dinge passieren, die mich runterziehen. Dass die Zweifel an mir nagen. Aber dass ich nach einer Auszeit eben mit neuer Motivation zurückkomme.

Ja, es passieren Dinge, die extrem doof sind. Aber ich kann sie nicht ändern. Wie sagte Fitzek in dem Interview auf der Autorenmesse so schön: Stell dir vor, du bist eine Figur in deinem eigenen Roman und du schreibst über einen Autor. Würde alles gut gehen, wäre es langweilig. Wir wollen Figuren scheitern sehen, aber danach sollen sie gefälligst auch wieder aufstehen und weitermachen.

Genau das ist es, was den Erfolg für mich ausmacht. Immer wieder aufstehen, schauen, was da eigentlich passiert ist und dann frohen Mutes weitermachen.

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